Wiebke G

Kanada 2019/2020

Am 15.06.2019 war es soweit, ich hielt mein Abi in der Hand und war bereit alles hinter mir zu lassen und in mein Abenteuer zu starten. Keine zwei Wochen später war ich drauf und dran meinen Rucksack gefühlte 1000 mal zu checken um sicher zu gehen dass ich alle Dokumente die ich zur Einreise brauchen würde dabei hatte.

Am 29.06.2019 saß ich dann endlich im Flieger von München nach Vancouver. Die Zeit verging rasend schnell und eh ich mich versah, saß ich auch schon 3 Stunden in der Warteschlange des Immigration Office und erhielt mein Work Permit letztendlich innerhalb 15 Minuten. Nun konnte mein Abenteuer wirklich starten.

Die ersten paar Tage verbrachte ich in Vancouver, um Sachen wie Konto und Handynummer zu organisieren. Dabei schlief ich in einem Hostel, dass ich noch von zu Hause aus gebucht hatte. Da mir das auf Dauer zu teuer wurde, buchte ich mir ein Zimmer über AirBnB für eine Woche um von dort aus auf Jobsuche zu gehen.

Es ging für mich also zu einem wunderschönen kleinen Ort südlich BCs namens WhiteRock. Ich verstand mich super mit meiner Vermieterin Nina, mit der ich dann auch zusammen Canada Day feierte. Es war erstaunlich wie alles rot und weiß geschmückt war und das Fest an der Promenade mit abschließendem Feuerwerk war einfach super.

Kurze Zeit später befand ich mich dann im Bus zurück nach Vancouver um von dort aus nach Revelstoke zu gelangen. Denn dort würde ich nun für eine Zeit lang arbeiten. Da ich kein Auto besaß, buchte ich mir einen Platz im Bus bei RiderExpress und machte mich auf eine 8 stündige Fahrt bereit.

Endlich angekommen, war ich von den Bergen und der Natur rund um die kleine Stadt beeindruckt und wusste sofort, dass ich mich hier wohlfühlen würde. Little did I know, dass das nicht das letzte Mal sein würde um hier zu arbeiten.

Ich arbeitete im Bereich Housekeeping, hatte aber die Möglichkeit auch mal andere Arbeitsbereiche kennenzulernen. Mit der Zeit verstand ich mich auch immer besser mit dem Team und gehörte schnell dazu. Zum einen gab es nicht nur monatliche Team-Essen sondern auch Teambildende Veranstaltungen wie Bowling oder Karaoke.

Anfang August stieß dann meine Reisebegleitung, eine ehemalige Schulfreundin, zu mir. Zu dem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht, dass ich diese Entscheidung später zu tiefst bereuen würde. Mit der Zeit hatten wir viele Freunde im Hotel und unternahmen hin und wieder kleinere Roadtrips z.B. in eine umliegende Stadt oder auch einfach nur zum See. Wir beschlossen schließlich bald schon auf Reisen zu gehen, da meine Freundin auch nur bis Februar bleiben würde. Somit fingen wir Anfang September an unsere Route zu planen, die wir Ende September starten wollten. Später stand dann auch fest, dass wir auch über den Winter wieder zurück nach Revy kommen würden um Snowboardfahren zu lernen.

Mit langen Bus und Zugfahrten, sowie Flügen sind wir schließlich folgende Route abgefahren: Banff, Calgary, Chicago, New York, Toronto, Ottawa, Montreal und Vancouver. An manchen Orten hielten wir uns länger, an anderen kürzer auf. Highlights waren aber definitiv: Lake Morraine, zuschauen beim Drehen einiger Szenen für ChicgaoFire, die BoadwayShow „Harry Potter and the cursed Child“, Thanksgiving im Hostel, Hockeyspiel der Vancouver Canucks, die Halfway Hotsprings und die Niagara Fälle bei Nacht.

Mitte November waren wir zurück in Revy und es war nicht nur kälter sondern auch schon richtig weiß. Es gab neue Leute im Hotel und auch dadurch wieder neue Freunde. Auch die WG war nun neu zusammengewürfelt und ich verstand mich mit allen super.

Anfang Dezember hatten wir unser Snowboard Equipment zusammen und mehrere Leute brachten uns das Snowboarden bei. Nicht mehr lange und es sollte nun auch ein neues Jahr beginnen. Hätte mir zu dem Zeitpunkt einer gesagt, dass so viel nun schief laufen würde, ich hätte das nicht geglaubt.

„Long story short“ Erster Tag im neuen Jahr auf der Piste und ich stürzte, wobei ich mir den Ellenbogen ausrenkte. Das hieß nun also Krankenhaus und nicht nur die Saison, sondern auch meine eigentlichen Pläne wurden komplett über den Haufen geschmissen. Ich hatte Betrug auf meiner kanadischen Karte und eine Woche später Betrugsversuch auf meiner deutschen Kreditkarte. Zudem wurde es auch mit meiner Reisebegleitung nicht einfacher und ich war unglaublich froh, dass ich ab Anfang Februar wieder allein sein würde. Ab da war mein eigentlicher Plan bei einer Farm auszuhelfen, was ich durch meine Verletzung nun aber nicht machen konnte. Ich entschloss mich also bis Ende März in Revy zu bleiben um wieder etwas Geld reinzubekommen und meine Physio durchziehen zu können.

Was dann kam hat ja nun die ganze Welt mitbekommen, Corona. Das Hotel musste schließen und somit hatte auch ich keinen Job mehr. Mein weiterer Farmaufenthalt stand nun kurz bevor, doch auch da bekam ich eine Absage aufgrund von Corona. Dadurch, dass das Reisen auch eingeschränkt war entschloss ich mich letztendlich Anfang April nach Hause zu fliegen.

Ich weiß nun, dass ich einiges anders machen würde, und trotzdem bin ich sehr froh die Dinge so erlebt zu haben wie sie nun einmal waren. Ich will euch damit sagen, dass ihr euch von negativen Sachen, die durchaus vorkommen können, nicht unterkriegen lassen dürft, sondern euch mitgeben das Dinge aus bestimmten Gründen passieren und man aus Erfahrungen lernt. Und bis dato war Kanada nicht nur die beste Entscheidung meines Lebens sondern auch das größte Geschenk was ich mir selber machen konnte.

Zudem weiß ich, dass ich nicht zum letzten mal in Kanada gewesen bin.
Wann und für wie lange ich wiederkommen werde steht allerdings noch in den Sternen.

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