Lukas H

Instagram: luk_hiller

Meine Kanada Reise

Nachdem Ich ein dreiviertel Jahr geplant und gespart habe, ging es am 26.3.2019 für mich in den Flieger Richtung Vancouver. Um 12:35 ging der Flieger von Frankfurt und es wurde Zeit mich von meiner Mutter und meiner Freundin zu verabschieden. Das ist mir wahnsinnig schwergefallen, doch da Ich mit einem Freund zusammen geflogen bin war das Ganze etwas erträglicher. Im Flieger hatte Ich gemischte Gefühle, auf der einen Seite war Ich unfassbar aufgeregt, gespannt auf dieses Abenteuer, auf welches Ich so lange hingearbeitet habe. Dazu war dies das erste Mal für mich, dass Ich in einen Flieger gestiegen bin, dementsprechend war Ich aufgeregt, weil Ich nicht einschätzen konnte, wie Ich fliegen so überstehen werde. Auf der anderen Seite war Ich natürlich traurig mein normales Leben erstmal hinter mir zu lassen. Rückwirkend muss Ich sagen, dass das Fliegen gar kein Problem für mich dargestellt hat. Nach ungefähr 6 Stunden hatten wir unseren Zwischenstopp in Las Vegas und von da aus ging es weiter nach Vancouver. Um 00:35 sind wir dann in Vancouver angekommen. Durch die Zeitverschiebung und einer ungeplanten Landung vor Las Vegas waren wir im Endeffekt von dem Zeitpunkt der Abfahrt von Zuhause bereits 24 Stunden unterwegs gewesen.

Zu unserem Glück verlief es am Immigration Office sehr einfach und schnell. Der Beamte wollte nur unseren POE Letter und Reisepass haben und 10 Minuten später hatten wir unser Visum in der Hand. Mit dem Taxi ging es dann zu unserem Schlafplatz. Als wir angekommen sind waren wir viel zu aufgeregt um schon schlafen zu gehen und so sind wir erstmal die East Hastings Street runtergelaufen. Diese ersten Eindrücke waren unglaublich spannend und obwohl wir noch nicht viel gesehen hatten, hatte es sich jetzt schon gelohnt für uns. Nach maximal 4 Stunden Schlaf sind wir dann auch direkt wieder raus, da es noch einige Sachen zu erledigen gab. Aus unserer Ekstase heraus haben wir auf den Bus verzichtet und sind 2 Stunden nach Downtown gelaufen und haben diese große Stadt auf uns wirken lassen. Ich muss gestehen, dass Ich riesen Fan von großen Städten bin, so habe Ich mich super schnell wohl gefühlt dort. Am Ende des Tages hatten wir unsere Social Insurance Number, ein Bankkonto und eine Sim-Karte und waren somit gewappnet für das Leben und arbeiten in Kanada.

Eine Woche später haben wir dann die erste große Entscheidung getroffen und uns einen Campervan gekauft. Dabei handelte es sich um einen ursprünglichen Siebensitzer, bei dem 5 Sitze entfernt wurden und ein Bett hineingebaut wurde. Diesen haben wir von einem Work and Traveller abgekauft, der am Ende seiner Reise angekommen war. Dieser war beruflich Schreiner und hat so eine wahnsinnig effiziente Vorrichtung in dieses Auto gebaut. Ab diesem Punkt haben wir dann unsere ersten kleinen Trips unternommen. Quarry Rock, Cypress Mountain, Grouse Mountain, etc. Besonders Hikes haben es uns angetan, wobei der Cypress Mountain garantiert mein Favorit ist, weil die Aussicht einfach wunderschön ist.

Bevor Ich zur wunderschönen Natur komme möchte Ich gerne noch ein paar Worte über das Leben in der Stadt und den Menschen verlieren. Bevor wir Vancouver verlassen haben mussten wir erstmal ein wenig arbeiten. Ich habe glücklicherweise einen Job bei einem Verleih für Kameratechnik bei den Vancouver Film Studios gefunden und Ich übertreibe nicht wenn Ich sage, dass das der beste Job war den Ich jemals hatte. Der Job war super interessant, wenn auch recht eintönig. Doch es sind die Leute, die den Job so klasse gemacht haben. Jeder Einzelne war sowas von nett und cool zu einem. Ich habe dort ein Arbeitsklima erfahren, welches Ich noch nie so gesehen habe. Obwohl es zwischenzeitlich recht stressig war, ist jeder absolut gelassen gewesen und man konnte sich während der Arbeit unterhalten und Späße machen. Oft ging es nach der Arbeit noch in eine Bar für das ein oder andere Feierabendbier. Das war für mich sehr schön, da Ich mich etwas in der Gesellschaft Vancouvers einfinden konnte. Ich habe davor 2 Wochen in einem Restaurant gearbeitet und danach bei einer Firma, die Schwingbühnen und Gerüste für Baustellen aufgestellt haben. Dort war das Arbeitsklima genauso, sprich die Leute sind allesamt sehr nett und die Arbeit funktioniert einfach gut. Wer etwas Angst vor der Arbeit dort hat, dem kann Ich sagen, dass die meisten Jobs echt viel Spaß machen. Ich würde Zuhause nie auf dem Bau arbeiten wollen, doch in Kanada hats mir riesen Spaß gemacht. Und die Bezahlung kann sich auch sehen lassen.

Was mir sonst noch in Erinnerung geblieben ist waren mehrere Baraufenthalte am Sonntag, um die letzte Staffel Game of Thrones zu schauen. Auch wenn diese eher enttäuschend war, war die Atmosphäre einmalig und Ich denke immer wieder gerne daran zurück. Was Ich an Vancouver so mag ist, dass obwohl es so groß ist nie so richtig überfüllt wirkt. Downtown ist allgemein recht übersichtlich, trotzdem fühlte Ich mich nie eingepfercht unter tausenden von Menschen. Das mag eventuell daran liegen, dass es so viele verschiedene Hotspots gibt, an denen man viel sehen und tun kann. Dabei kann Ich empfehlen, sich so wenig wie möglich von der Stadt im Vorhinein anzuschauen. Ich habe mich wirklich nur ganz oberflächlich informiert und hatte kein (!) einziges Bild von der Stadt gesehen, was meine Erfahrung umso besser gemacht hat. Ich habe die Stadt ganz alleine kennen lernen können und mich von Empfehlungen von Locals beeinflussen lassen können. So habe Ich die Stadt sehr intensiv kennen gelernt und mich auch etwas verliebt.

An Vancouver ist toll, dass du eigentlich alles hast. Du hast die Großstadt, die Restaurants und die Bars. Du kannst 20 Minuten raus fahren und hast mit diversen Hikes wunderschöne Natur und eine riesen Menge an Freizeitaktivitäten. Wenn es wärmer wird liegt Vancouver auch noch am Meer und du hast mehrere Strände, an denen du entspannen kannst.

So, nun noch meine Erfahrungen mit der Natur Kanadas. Der Van musste selbstverständlich vernünftig genutzt werden und so haben mein Freund und Ich nach drei Monaten Vancouver verlassen, um einen Roadtrip zu starten. Das Ziel: Alaska. Unsere Route ging über Whistler nach Prince George und Whitehorse bis letztendlich nach Alaska. Dort sind wir nach Fairbanks, dann nach Anchorage und darüber hinaus über die gesamte Küste gefahren. Geschlafen haben wir ausschließlich an Seen und Flüssen mit atemberaubenden Ausblicken. Empfehlen kann Ich dafür die App iOverlander. In der App können Leute Punkte markieren, an denen man schlafen kann. Diese Punkte können andere Leute kommentieren und so hat man recht schnell eine grobe Idee, wie dieser Platz ist. Dies lässt sich filtern in Campsites, die Geld kosten, Campsites die kostenlos sind und in einfache abgelegene Orte, an denen man ohne Probleme schlafen kann. Anbei steht immer dabei, ob es Wasserversorgung gibt, ob Strom vorhanden ist und und und. Wenn man einen Roadtrip durch Kanada oder Amerika machen will ist die App wirklich 1A. Durch den Roadtrip habe Ich nochmal einen ganz anderen Ausblick auf Kanada bekommen können. Die Natur ist unvergleichlich schön und man kann gefühlt alle 10 Kilometer anhalten, weil es eine schöne Stelle gibt, die man sich anschauen will. Ab einem gewissen Zeitpunkt muss man da schon fast abwägen, ob man anhalten will oder nicht. Außer natürlich man hat eh genug Zeit. Wenn man täglich so 3 bis 4 Stunden fährt ist man in einer soliden Woche in Alaska und hat dabei schon ne riesen Menge gesehen. Wir sind aber nie unendlich lange in den Städten geblieben, da uns die Natur dann doch mehr gereizt hat. Ich finde die Natur sehr erfrischend, gerade weil es Tage geben wird an denen man keine Sekunde Netz haben wird und das Handy einfach mal zweitrangig wird. Diese Pause von allem zu nehmen hat meine Sicht garantiert erweitert und Ich kann behaupten, dass Ich daran stark gewachsen bin. Wir haben natürlich auch viel Leben einfangen können auf dieser Reise. Schwarzbären, Grizzlybären, Elche, Biber, Stachelschweine und Murmeltiere. Wenn man auf dieser Route unterwegs ist kommt man um diese Tiere eigentlich nicht drumherum. Seid natürlich immer vorsichtig und lasst keine Lebensmittel offenstehen oder liegen, einfach um euch und die Leute nach euch zu schützen. Wir haben jetzt keine Gefahren erlebt, waren aber auch immer rücksichtsvoll und bedacht.

Wenn Ich mich entscheiden müsste, ob Ich die Stadt oder die Natur lieber mag, könnte Ich keine Antwort geben. Beides ist auf seine Weise toll. Die Stadt hat alles was man braucht und man kann trotzdem Natur erleben. Natur in seiner ganzen Schönheit wird man aber vermutlich nur bei einer längeren Reise erleben können. Ich denke, dass den meisten die Natur eher zusagen wird, denn dafür kommt man ja auch eigentlich in dieses Land. Während seines Roadtrips wird man sehr viele interessante Menschen kennenlernen, die zum Großteil ebenfalls super nett sind und einem auch die ein oder andere Sache zeigen kann. An einem Tag sind wir mit einem Local zum Beispiel angeln gegangen, der dann im Handumdrehen einen Lachs aus dem Fluss gezogen hat und noch vor Ort gegrillt hat. Das war ebenfalls eine super schöne Erfahrung und Ich bin mir sicher, dass das euch auch passieren kann. Im Endeffekt würde Ich sagen, dass man mit der Natur vermutlich mehr ziehen kann und auch mehr neue Eindrücke gewinnen kann. Auch wenn die Entscheidung ins Ausland zu gehen eine Große ist, kann Ich jedem diesen Neuanstrich empfehlen. Mich hat es nachhaltig erwachsener gemacht und mich mehr die wichtigen Dinge im Leben erkennen lassen.

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