Lisa K

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Von Menschen und Orcas – Ein Einblick in mein Work and Travel Jahr in Kanada

Ich habe mich glaube ich noch nie so schnell willkommen gefühlt wie in Victoria. Die Hauptstadt von British Columbia liegt an der südlichen Spitze von Vancouver Island und sticht vor allem durch den britischen Touch heraus. Als ich dort Mitte September ankam, machte ich mich sofort auf die Suche nach einer Unterkunft. Da ich nur eine Woche für meinen Aufenthalt in einem Hostel in Downtown geplant hatte, hieß das Besichtigungen über Besichtigungen. Glücklicherweise war bereits die erste Besichtigung aus meiner Sicht ein voller Erfolg. Jetzt hieß es auf die Antwort der Vermieterin zu warten. Währenddessen hatte ich das Glück eine Freundin, die ich während meines ersten Jobs in Vancouver kennengelernt habe, wieder zu treffen und so verbrachten wir ein paar tolle Tage mit der Besichtigung des Parliament Buildings und dem Verzehr des ein oder anderen Beaver Tails und nein damit meine ich nicht wortwörtlich den Schwanz eines Biebers, sondern ein frittiertes Gebäck in Form eines Beaver Tails mit individuellem Topping – zum dahin schmelzen. Glücklicherweise bekam ich eine positive Rückmeldung meiner Vermieterin und somit zog ich Ende September ins Paradies. Ganze zwei Minuten (maximal) trennten mich vom Meer, mit Blick auf die Washington Mountains in den USA und einer halben Stunde zu Fuß entlang am Meer bis nach Downtown Victoria. Ich war zufrieden, nun fehlte nur noch ein Job mit dem ich meine äußerst schöne aber nicht kostenfreie Unterkunft bezahlen könnte. Meine Vermieterin und ich hatten uns darüber unterhalten, wo ich mich denn bewerben wollen würde und da schlug sie vor, dass ich es doch mal in dem RV Park bei uns um die Ecke versuchen sollte. Falls ihr euch fragen solltet was zu Hölle ein RV Park ist, dann keine Sorge ich wusste das zunächst auch nicht. Stellt sich heraus, so werden Wohnmobile und deren Stellplätze im Englischsprachigem Raum genannt. Meine Vermieterin meinte, dass die viele deutsche Touristen als Kunden haben und ich sicher eine große Hilfe für die wäre. Soweit so gut, ich hatte ein paar meiner CV's bereits im Hostel ausgedruckt und machte mich also auf dem Weg zum besagten RV Park. Im Büro traf ich auf zwei Männer, die beschäftigt an ihren Tischen saßen. Ich erzählte ihnen von meiner Vermieterin, die mir von der eventuellen Arbeitsstelle erzählt hatte und dass ich vor hatte bis mindestens Januar nächsten Jahres zu bleiben. Sie waren sehr freundlich und nahmen mein CV entgegen und meinten, dass sie sich melden würden. Das taten sie auch und nach einem erfolgreichen Vorstellungsgespräch fing ich auch schon an bei Salish Seaside RV Haven zu arbeiten. Meine Arbeit dort umfasste vor allem die Kundenbetreuung und das Säubern des Geländes – eine sehr einfache und angenehme Arbeit. Aber was diese Zeit so besonders gemacht hat, waren die Leute, die ich traf.

Ich würde insgesamt ein halbes Jahr bei Salish Seaside RV Haven arbeiten und dank ihnen viele tolle Dinge erleben. Zum Beispiel besuchten wir im Dezember die Butchart Gardens, um uns die Christmas Lights anzusehen. Die Butchart Gardens sind wie der Name schon verrät eine Gartenanlage die zu Weihnachten mit verschiedensten Lichtern in Szene gesetzt wird. Wirklich sehr bezaubernd! Außerdem waren wir auf einigen Whale-Watching-Trips, wir haben ein Ice-Hockey-Game besucht, ein Weihnachtsessen zusammen verbracht und ein Kanu der Songhee First Nations bei uns ins Wasser gelassen.

Dazu kommt, dass ich zu Neujahr mit meiner Vermieterin, ihrem Freund und meinem Mitbewohner mit seinem Boot fischen waren, und ich ''zahme'' Robben mit unserem gefangenen Fisch füttern konnte. Als ich im Mai zurück nach Victoria kam wurde ich von meiner Vermieterin, die ich per Zufall auf der Straße traf, auf ein Segeltörn eingeladen und im Juni bin ich mit meinen Team von Salish Seaside RV Haven wieder zu den Butchart Gardens gefahren, um uns den Start der alljährlichen Sommerfeuerwerke anzusehen.

Schlussendlich habe ich während meiner Zeit in Victoria die meisten Freundschaften geschlossen und mich dank ihnen wie Zuhause gefühlt.

Meine aller liebste Geschichte ist jedoch die von meinem ersten Camping-Trip. Als geborenes Stadtkind habe ich meine Liebe für die Natur erst richtig in Kanada entdecken können, also durfte so ein Campingausflug nicht fehlen. Ich verbrachte für ein Workaway den gesamten Juli auf Malcolm Island, da mein Visum Ende Juni ausgelaufen war habe ich es um drei Monate verlängert und habe dann mit Workaway meine Reisen geplant. Heißt, ich habe für Kost und Logis ausgeholfen, in meinem Fall habe ich einem älterem Pärchen auf ihrem Gelände geholfen, sei es Zäune zu bauen oder Holz zu hacken. Ich war dort um zu helfen und zwar einen ganzen Monat lang. Malcolm Island ist eine kleine Insel, die nördlich von Vancouver Island zwischen Port McNeil, eine kleine Hafenstadt nördlich auf der Insel und dem Festland liegt.

Während meiner Zeit dort bekamen die beiden Besuch von einem Mädchen, dass bei ihnen auch als Workaway war und jetzt aber in Alberta lebte, fast zeitgleich traf auch noch eine weitere Deutsche bei uns ein mit der ich mir dann mein Zimmer geteilt habe. Es war sehr lustig mit den beiden die Insel unsicher zu machen. Darunter fiel auch besagter Campingausflug, den wir am Bere Point bestreiten wollten. Bere Point liegt nördlich von Malcolm Island und ist vor allem dafür bekannt, dass in einer Bucht entlang des Beautiful Bay Trails Orcas zum Rubbeln ganz nah an den Strand kommen.

Kurz zur Erklärung, warum das für mich so toll war: Ich bin ein riesiger Orca-Fan. Orcas sind schon seit meiner Kindheit meine Lieblingstiere und es war mir ein Herzensanliegen diese Tiere einmal live und in Farbe in freier Wildbahn zu sehen. Ich hatte sie zuvor auf verschiedensten Whale-Watching-Touren bereits bestaunen dürfen, allerdings war es ein Traum von mir, sie mal vom Strand aus zu sehen.
Also zurück zu unserem Campingausflug. Nachdem wir unser Zelt erfolgreich auf dem Campingplatz aufgestellt hatten, machten wir uns gleich auf dem Weg besagten Strand zu besuchen und die Wanderung (Beautiful Bay Trail) zu machen. Wir waren nicht die einzigen, die am Strand auf Orcas hofften. Mein Plan war allerdings nur ein paar Minuten dort zu verweilen, weil ich meine Begleitung nicht zu lange aufhalten wollte und ich mich einfach später an den Strand setzen wollte.Allerdings bekamen wir zufällig mit, dass tatsächlich Orcas auf dem Weg zur Bucht sein sollten und so warteten wir gespannt. Und wer hätte es gedacht, das Warten hat sich wirklich gelohnt. Insgesamt fünf Orcas schwammen an unserem Strand vorbei, ein Weibchen war wohl besonders neugierig und kam sehr nah an den Strand.Wir alle hielten den Atem an und lauschten den kraftvollen Atemzügen dieser atemberaubenden Tiere. Es sollten eigentlich noch mehr Tiere folgen, bis zu 30 Orcas soll man wohl auf dem Weg zu dieser Bucht gesehen haben, aber da wir schon fast zwei Stunden an diesem Strand saßen und man nicht wusste wann und ob die Orcas wirklich an dieser Bucht vorbeikommen würden, entschlossen wir uns doch noch die Wanderung zu machen.Nach unserer erfolgreichen Wanderung knurrten unsere Mägen und somit kochten wir uns erst einmal etwas zu Essen und entspannten dann bei einem Lagerfeuer und schlürften an unserer heißen Schokolade. Während wir am Feuer saßen und der Sonne beim Untergehen zusahen, fiel mir etwas ins Auge. War das gerade eine schwarze Finne, die ich abtauchen gesehen habe? JA! Ich traute meinen Augen nicht. Da waren wieder vier bis fünf Orcas, direkt vor unserem Campingplatz. Es war der perfekte Abschluss zu einem bereits, aus meiner Sicht, perfekten Tag. Hier stand ich vor dem rauschenden Meer, der herabgehenden Sonne und meinen Lieblingstieren direkt vor mir. Ich genoss diesen Moment und war einfach nur glücklich dieses Abenteuer namens Kanada angegangen zu sein. Noch lange nachdem man die Orcas nicht mehr sehen konnte, hat man ihre kräftigen Atemzüge, für mich das schönste Geräusch der Welt, noch immer hören können.

Ich bin mir sicher, dass ich noch einmal nach Kanada zurückkehren werde, ob das für immer sein wird oder ob es nur jährliche Urlaube werden, steht noch in den Sternen, aber ich habe definitiv ein zweites Zuhause für mich gefunden wo ich Menschen habe, auf die ich mich verlassen kann und ich auch nie missen möchte.

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