Christiane W

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Oh du liebes Kanada

Ein Jahr voller Abenteuer, guten und schwierigen Zeiten, neuen Freunden, viel Natur und einer Menge Kilometer liegen hinter uns. Nicht nur unsere Handys sind voll mit Fotos und Erinnerungen, vor allem das Herz trägt jetzt ein Stückchen Kanada in sich.

Ich weiß noch genau wie alles begann. Eigentlich wollten wir nach Schweden, eine Rundreise durch Europa starten und auf der Reise ein bisschen arbeiten. Ein entscheidender Grund gegen Schweden war die Kälte :) wie auch immer wir uns dann auf Kanada einigen konnten, warm war es da jedenfalls nicht immer. Bei -24 Grad in einem Wohnmobil zu übernachten zählt definitiv zu einer der Erfahrungen die wir uns hätten sparen können. :) Aber jetzt nochmal auf Anfang. Als wir uns dann Schritt für Schritt durch alle wichtigen Unterlagen und Informationen gewurschtelt hatten, ging es am 03.09.2019 endlich los.

Erste Station eine Farm in Port Hope. Das wir dort fast nur auf Deutsche treffen würden, hatten wir nicht auf dem Schirm. Es gingen 7 Wochen ins Land, in denen wir nicht nur ziemlich viel Sch.. schaufeln, sondern auch eine tolle Zeit erleben durften. Wir machten Ausflüge an die Niagara Fälle und hatten lustige Abende im Irish Pub. Nach der Farm ging es auf unseren ersten Roadtrip, einmal quer durchs Land. Berge, Seen, Moose und einige Nationalparks waren 5 Wochen lang unsere täglichen Begleiter. Dosensuppe mit Reis zählte damals zu unseren Hauptnahrungsmitteln. Schließlich war noch kein Job in Sicht und die Anschaffung unseres Wohnmobils, nam eine ziemlich große Summe des Reisebudgets in Anspruch. Wo genau wir hinwollten stand noch in den Sternen, nur Vancouver war uns einfach zu groß und alles weiter östlich zu kalt. Von Vancouver Island hatte man bisher nur gutes gehört. Dies vereinfachte uns die Entscheidung zumindest ein wenig. Das wir am Ende 8 Monate auf dieser Insel leben würden, hätten wir nicht geglaubt.

Die ersten Tage in Port Alberni, einer der am schlechtest bewerteten Städte Kanadas wie wir im Nachhinein erfuhren, verbrachten wir damit von Bar, zu Schreinerei zu laufen und unsere Lebensläufe zu verteilen. Wir hatten wenig Glück, der Winter stand vor der Tür und die Stadt war von Arbeitslosigkeit geplagt. Erst später lernten wir, dass die Kanadier Arbeitssuchende die nur ein Mal vorbeikommen, überhaupt nicht ernst nehmen. Ich ergatterte also erst nach mehrmaligem Bekunden meines Interesses einen Bartender bzw. Spüljob in einem etwas herunter gekommenen aber beliebten Pub. Mein Freund konnte wenige Zeit darauf, im selben Pub, handwerklich tätig werden. So verlief unser Winter in der angemieteten Air BnB ziemlich ruhig. Erinnerungen wie der Wasserfall, der plötzlich durch die Decke des Pubs strömte verursachen heute noch schallendes Gelächter. Unserer Erfahrung nach wurde in Kanada nicht immer alles so ernst genommen und Pannen dieser Art waren zumindest dort schon ziemlich normal. Die Gäste amüsierten sich jedenfalls immer köstlich und waren nur selten geschockt. Unsere freie Zeit verbrachten wir mit Wanderungen, gemeinsamen Spieleabenden mit unserem Vermieter und jetzigem guten Freund Rob.

Wir planten einen gemeinsamen Roadtrip in die USA mit Freunden aus der Heimat und freuten uns schon sehr auf die freie Zeit. Das Corona dann genau zwei Tage vor unserer Abreise zuschlug war bitter, letztlich aber das beste was uns in dieser Situation hätte passieren können. Wir zogen in Robs Einfahrt und waren vorerst ratlos wie es weiter gehen soll. Unsere neue Idee die Zeit auf einer Farm zu überbrücken und später zu reisen, ging aus zwei Gründen schief. Corona nam kein Ende und die Farm entpuppte sich als absoluter Reinfall. So entschieden wir schon nach einer Woche zurück nach Port Alberni zu fahren. Es fühlte sich an wie nach Hause zu kommen als Rob uns freudestrahlend empfing.

Die nächsten 2 1/2 Monate verbrachten wir abwechselnd mit arbeiten, wandern, Bier trinken und einer der tollsten und abenteuerlichsten Bootstour unseres Lebens. Rob besaß ein 50 Jahre altes Boot mit dem wir eines Tages 12h durch Fjorde, zwischen Inseln und auf dem offenen Meer unterwegs waren. Bei schaukeligem Seegang waren wir angehalten, die „Fluch der Karibik“ Seekarte zu lesen und Rob vor Untiefen und Schneisen zu warnen. Als wir im Nachhinein erfuhren, dass sein Vater, sowie Freunde ihn davon abbringen wollten so weit mit diesem alten Boot zu fahren, waren wir froh mit dem letzten Schluck Sprit wieder im Hafen angelangt zu sein. Solche Geschichten konnte man nur mit Rob erleben. :D Auch an der „Verfolgungsjagd“ mit der Polizei hatte er seine Finger im Spiel, aber später dazu mehr. Wir verließen die Insel tatsächlich noch einmal für einen 3 wöchigen Roadtrip durch Jasper und entlang des Icefield Parkways. Highlight war definitiv die super entspannte Bärenfamilie der wir auf einem Parkplatz des Yoho Nationalparks ausgiebig beobachten durften.

Wir verkauften Burkhard, unser geliebtes Wohnmobil und fuhren anschließend mit 27 Flaschen bestelltem Bier für Rob, komplett überladen zurück nach Vancouver Island. Dort hielten wir es keine zwei Tage ohne fahrbaren Untersatz aus. So kam es das wir einen alten Pontiac Baujahr 1996 mit 260.000 Kilometern kaufte. Wir fuhren also gemeinsam mit Rob zum Verkäufer des Autos, der ziemlich im Nichts wohnte, regelten alles Formelle und wollten dann zur Versicherung fahren. Rob war jedoch viel zu faul um die ganze Strecke noch einmal zu fahren, sodass seine Idee ein Stück ohne Kennzeichen zu fahren in die Tat umgesetzt wurde. Er fuhr mit dem Pontiac vorne weg und wir mit seinem Auto hinterher. Wir fuhren und fuhren und fuhren, doch er hielt einfach nicht an um das Auto zu parken, als er plötzlich rechts an den Straßengraben fuhr. Es dauerte etwas bis wir realisierten, dass wenige Meter vor ihm gerade eine Polizeikontrolle von statten ging.

Er bog schnell in ein Privatgrundstück ab, doch sie hatten uns längst entdeckt, sprangen in ihre großen SUV und fuhren mit Blaulicht und Sirene hinter ihm her. Das Ende vom Lied war, dass wir um $750 ärmer waren, das Auto abschleppen lassen mussten und froh waren, dass Rob seinen Führerschein behalten durfte.

Einfach eine unglaubliche Zeit und Abenteuer wie dieses, emotionale Momente und tolle Begegnungen werden sicher für immer in unseren Herzen bleiben.

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