Muss ich ausländische Einnahmen in der kanadischen Steuererklärung angeben? Warum?

Jeder Steuerzahler hat Freibeträge, die er/sie gegen die Steuern anrechnen kann. ​Ob man diese Freibeträge anrechnen darf und in welcher Höhe, hängt von einigen Faktoren ab. 

Die drei wichtigsten entscheidenden Faktoren in der Steuererklärung sind:

  • ​Aufenthalt im Steuerjahr in Kanada

  • die Abgabe der Steuererklärung als resident oder non-resident

  • ausländische Einnahmen vor oder nach Kanada

Das ausländische Einkommen muss man in der kanadischen Steuererklärung angeben.

Zu den meldepflichtigen Einnahmen gehören alle Einkommensarten, auch das Arbeitslosengeld und die 450-Euro-Jobs.

Und was ist, wenn ich die ausländischen Einnahmen weg lasse? 

Gerade weil Kanada mit vielen Ländern ein Doppelbesteuerungsabkommen hat, können auf Anfrage Steuerdaten untereinander ausgetauscht werden. Das bedeutet, alle Jobs, die über eine Lohnsteuerkarte gelaufen sind, sind beim Finanzamt des jeweiligen Landes nachvollziehbar.

 

Auch noch 3 Jahre später kann die kanadische Steuerbehörde die Neuberechnung der Steuern veranlassen, und einen neuen korrigierten Steuerbescheid zuschicken. 

Wichtige Informationen:

  • Die ausländischen Einnahmen vor/nach dem Kanada-Aufenthalt werden nicht in Kanada versteuert, sondern nur genommen, um zu berechnen, ob und wieviel Freibeträge in der Steuererklärung angerechnet werden dürfen.

  • Ausländische Einnahmen vor/nach dem Kanada-Aufenthalt muss man nur in einem gesonderten Formular in der kanadischen Steuererklärung angeben.

  • Meldet man diese nicht, hinterzieht man Steuern, weil man zu hohe Freibeträge oder besondere einkommensabhängige credits von der Regierung beansprucht, die einem nicht zustehen. (Wenn man die kanadische Steuererklärung online abgibt, berechnet die Software alles automatisch im Hintergrund.)

"Wenn man unter dem Freibetrag verdient hat, bekommt man alle Steuern zurück."

Diese Aussage, die man oft hört, stimmt leider nicht ganz.

Es ist richtig, dass alles was man unter dem Freibetrag verdient hat, nicht versteuert wird. Dieser Freibetrag ist zwar ein fester jährlicher Betrag, er ist aber für jeden Traveller unterschiedlich hoch. Je nachdem, ob man im Steuerjahr resident oder non resident war und vor oder nach dem Kanada-Aufenthalt ausländisches Einkommen hatte. Hier die vier Kategorien in der Übersicht.

Hatte man im Steuerjahr vor oder nach dem Kanada-Aufenthalt keine ausländischen Einnahmen, darf man die vollen Freibeträge anrechnen. 

 

Wenn man z.B. im Steuerjahr eingereist ist, und vor der Einreise Einkommen hatte, darf man die Freibeträge nur anteilig auf die Zeit (im Steuerjahr) in Kanada anrechnen.  Hier ein vereinfachtes Beispiel (die Steuersoftware wird den Freibetrag tagenau ausrechnen)

Federal Freibetrag 2020 = $13,229
Einreise 1. Oktober 2020 = Kanada-Aufenthalt im Steuerjahr = 3 Monate


Erlaubter Freibetrag = $3,307.25 ($13,229 : 12 Monate x 3 Monate)
Alles über $3,307.25 wird versteuert

Man sieht, dass in diesem Beispiel der erlaubte Freibetrag beträchtlich niedriger als der volle Freibetrag ist. 

Hatte man als non-resident ausländische Einnahmen, hängt es von der 90%-Regel ab. 

 

Die 90%-Regel besagt:

Um als non-resident Freibeträge anrechnen zu dürfen, muss das kanadische Einkommen mehr als 90% des gesamten Welteinkommens im Steuerjahr sein. Welteinkommen = Einnahmen in Kanada + Einnahmen aus dem Ausland.

  • Ist das Verhältnis über 90%, dürfen die vollen Freibeträge angerechnet werden.

  • Ist das Verhältnis unter 90%, dürfen die Freibeträge nicht angerechnet werden, und es entsteht meistens eine Nachzahlung der Steuern, weil zu wenig Steuern abgezogen wurden. 

Beispiel: 

Federal Freibetrag 2020 = $13,229

90%-Regel erfüllt! 

Erlaubter Freibetrag:  $13,229

90%-Regel nicht erfüllt! 

Erlaubter Freibetrag:  $0

Was ist die Folge dieser 90%-Regel?

Da die Arbeitgeber in den pay cheques immer die vollen Freibeträge angerechnet haben, haben sie viel weniger Steuern abgezogen.

  • Wenn du die 90%-Regel erfüllst, waren die Abzüge richtig, und es sollte eine Erstattung der Steuern erfolgen.

  • Wenn du die 90%-Regel nicht erfüllst, wurden viel zu wenig Steuern abgezogen und du musst Steuern nachzahlen. 
     

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